Bundeswertpapiere: Zinsen vom Staat
Von Michael Lorenz (ML)Bundeswertpapiere sind bei Anlegern, die auf Nummer sicher gehen möchten, sehr beliebt. Im vergangenen Jahr sind die Zinsen für solche Papiere angestiegen. Das Prinzip: Der Sparer leiht dem Staat Geld und erhält dafür Zinsen, das Verlustrisiko ist minimal, denn schließlich bürgt der Bund mit seinem Vermögen und dem Steueraufkommen für die Schulden.
Aufgelegt werden Bundeswertpapiere von der Deutschen Finanzagentur, Frankfurt am Main. Kauft der Sparer sie direkt bei der Agentur, zahlt er weder Gebühren für den Erwerb noch für das Depot. Zudem akzeptiert der Bund Einmalanlagen ab 50 Euro. Erfolgt der Kauf über eine Bank, beträgt die Mindestanlagesummen hingegen meist 1.500 oder 5.000 Euro und fallen außerdem Depot- und Verwaltungsgebühren an.
Bundesschatzbriefe
Es gibt zwei Varianten: Bei Typ A beträgt die Laufzeit sechs Jahre und die Zinsen werden jährlich ausgezahlt, Papiere des Typs B laufen sieben Jahre und der Sparer erhält seine Rendite am Ende der Laufzeit. Mit dem zweiten Typ lassen sich Zinsen in die Zeit nach 2008 verschieben. Dies bringt Vorteile für Anleger mit sich, deren Steuersatz höher als 25 Prozent liegt, denn ab 2009 werden Zinsen oberhalb des Freibetrags nicht mehr nach dem persönlichen Steuersatz, sondern mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt.
Mit Bundesschatzbriefen erzielt der Sparer zwar eine geringere Rendite als mit Sparbriefen von der Bank, er bleibt aber auch flexibler. So kann er nach einem Jahr monatlich Papiere in Höhe von bis zu 5.000 Euro kostenlos zurückgeben oder diese beispielsweise in besser verzinste Bundesschatzbriefe tauschen. Bei Sparbriefen ist das Geld bis zum Ende der Laufzeit nicht verfügbar.
Sowohl bei Typ A als auch bei Typ B ist über die Jahre eine Zinstreppe festgelegt. Je länger der Besitzer die Papiere hält, desto höher ist also auch seine erzielte Rendite.
Finanzierungsschätze
Finanzierungsschätze laufen entweder ein oder zwei Jahre und sind nicht vorzeitig kündbar. Im Vergleich zu Bundesschatzbriefen bieten sie ? bezogen auf zwei Jahre ? eine etwas höhere Rendite ? derzeit um 4,1 Prozent. Die Mindestanlagesumme beträgt 500 Euro. Bei diesen Papieren wird die Rendite nicht zum Ende der Laufzeit gutgeschrieben, sondern gleich beim Kauf vom Nennwert abgezogen. Der Anleger zahlt also nur den um die Zinsen verminderten Betrag und erhält dann nach ein beziehungsweise zwei Jahren den vollen Nennwert rückerstattet. Aufgrund ihrer Laufzeit stellen Finanzierungsschätze eine Alternative zum Festgeld der Banken dar. Auch mit ihnen lassen sich die Zinserträge verschieben.
Bundesobligationen
Bundesobligationen sind Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland, die an der Börse gehandelt werden. Die Laufzeit von Bundesobligationen beträgt 5 Jahre, der Mindestanlagebetrag 100 Euro, ein festgelegter Zins wird jährlich ausgezahlt. Die Papiere werden täglich an der Börse gehandelt, das heißt, der Besitzer einer Bundesobligation muss sie nicht fünf Jahre halten, sondern kann sie jederzeit zum aktuellen Kurswert verkaufen. Ist der aktuelle Kurs im Vergleich zum Ausgabekurs inzwischen gestiegen oder gefallen, sind also auch Kursgewinne oder -verluste möglich. Allerdings sind die Schwankungen von Bundeswertpapieren eher gering. Am Ende der Laufzeit erfolgt die Rückzahlung von Bundesobligationen immer zum Nennwert, also zu 100 Prozent.
Tagesanleihe
Seit dem 1. Juli 2008 erweitert die so genannte Tagesanleihe die Bandbreite der Bundeswertpapiere. Sie funktioniert ähnlich wie ein Tagesgeldkonto bei der Bank. Der Anleger eröffnet bei der Finanzagentur ein Einzelschuldbuch und muss mindestens 50 Euro auf das Konto einzahlen. Er kann täglich darüber verfügen. Die Verzinsung der Tagesanleihe ist abhängig vom Eonia, einem Zins, zu dem sich Banken gegenseitig kurzfristig über Nacht Geld ausleihen. Die Erträge werden der Anlagesumme laufend börsentäglich zugeschlagen.


