Schnelles Geld - Kredite aus dem Pfandhaus
Von Michael Lorenz (ML)Ein Kredit vom Pfandhaus ist schnell zu haben und gilt inzwischen als bequeme Alternative zum Ratenkredit oder dem Überziehen des Girokontos. Wer eine Wertsache verpfändet, macht keine Schulden, sondern bekommt für seinen hinterlegten Pfand eine bestimmte Geldsumme und zahlt dafür Zinsen sowie Gebühren. Diese Kosten können allerdings recht hoch ausfallen.
Schmuck, Uhren und Autos
In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben Pfandhäuser knapp 1,45 Millionen Kreditverträge über insgesamt 355 Millionen Euro ausgestellt. Auch Internetanbieter sind inzwischen in das Geschäft eingestiegen. Zur Weihnachtszeit läuft es für Pfandhäuser besonders gut, wenn Kunden flugs über Bares verfügen möchten. Verpfändet werden in den meisten Fällen Schmuck, Juwelen und Uhren, manchmal beispielsweise aber auch wertvolles Porzellan, die Münzsammlung oder das Auto. Technische Geräte nehmen Pfandleiher hingegen nicht gern an, da sie zu schnell veralten. Wofür es Geld gibt, hängt von der Nachfrage auf dem Gebrauchtmarkt für diese Sachen ab, denn ein nicht ausgelöster Gegenstand wird öffentlich versteigert. Rund 94 Prozent der Kunden holen ihr Gut jedoch rechtzeitig gegen Bares wieder ab.
Vertrag läuft mindestens drei Monate
Das Prinzip des Verpfändens ist unkompliziert: Wer Geld beim Pfandleiher aufnimmt, braucht weder einen Gehaltsnachweis zu erbringen, noch seine Zahlungsfähigkeit offen zu legen. Lediglich seinen Ausweis benötigt der Kunde, um einen Pfandvertrag abzuschließen zu können. Dieser läuft vom Leihdatum an drei Monate, falls der Kreditnehmer krank wird oder Urlaub macht, erlaubt der Gesetzgeber vier zusätzliche Wochen Karenzzeit. Die Anbieter sind zudem gesetzlich dazu verpflichtet, gegebenenfalls dem Kunden, nachdem dieser die Zinsen und Gebühren für den ersten Vertrag beglichen hat, eine Vertragsverlängerung einzuräumen.
Kosten summieren sich
Wer eine Wertsache zum Pfandleiher bringt, bekommt dort in der Regel 50 Prozent des Verkaufwertes dafür ausbezahlt. Für das Beleihen fallen pro Monat ein Prozent Zinsen und eine Unkostenvergütung für die Schätzung, Lagerung und Versicherung der Wertsache an. Laut Gebührenordnung beträgt diese bei einer Pfandsumme von 100 Euro 2,50 Euro, bei 200 Euro 4,50 Euro und bei 300 Euro 6,50 Euro. Das klingt erst einmal günstig, doch können die Kosten insgesamt ganz schön hoch werden, denn die meisten Kunden lösen ihre Sachen nicht während der ersten drei Monate aus. Außerdem sind die Zinsen für Beträge, die über 300 Euro liegen, nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, sondern Verhandlungssache. Zwar liegen die meisten Darlehen unter 300 Euro, doch sind fünfstellige Summen inzwischen keine Ausnahme mehr. Für höhere Kreditsummen fallen schnell monatlich Zinsen von 3,5 Prozent zuzüglich der Unkostenvergütung an. Verpfändet der Kunde ein Auto, zahlt er außerdem zusätzlich auch noch täglich Standgebühren.
Wer damit liebäugelt zum Pfandhaus zu gehen, sollte vorher nach Möglichkeit die Preise verschiedener Häuser vergleichen – denn die angebotenen Konditionen können sich unterscheiden. Kann der Kunde sein Wertstück nicht schnell genug wieder auslösen, sollte er im Blick haben, wann der Versteigerungstermin stattfindet. Übersteigt der Verkaufserlös die Kreditschuld, muss der Pfandleiher ihm diesen Überschuss nämlich auszahlen.


